Warum man sich in Deutschland nicht mehr wohlfühlt
Verband der kommunalen
Wahlbeamten in Hessen e.V.
kuratiert von
Karl-Christian Schelzke
„Ich bin das Kind von Einwanderern. Das stelle ich an den Anfang, weil ich weiß, wie solche Texte gelesen werden; und weil der Anfang bestimmt, ob Sie weiterlesen oder aufhören. Ich will, dass Sie weiterlesen“. So beginnt ein mehr als lesenswerter, in der Juni-Ausgabe 2026 der Zeitschrift Cicero erschienener Artikel von Gita Timm, nachzulesen unter https://www.cicero.de/innenpolitik/als-kind-von-einwanderern-meine-eltern-fuhlen-sich-nicht-mehr-wohl-in-deutschland .
Die Einwanderungs- und Asyldebatte in Deutschland konzentriert sich aktuell auf Begrenzung der Zuwanderung, Grenzkontrollen, Abschiebungen sowie Reformen bei Verwaltung und Integration. Wichtige Hand-lungsfelder sind hierbei das europäische Asylrecht, die Steuerung von Arbeitsmigration und der Abbau bürokratischer Hürden.
Was dabei offensichtlich auf der Strecke bleibt, ist die vielschichtige Lebensrealität von Menschen mit Migrationshintergrund.
Sie kamen nach Deutschland oder sind hier geboren, arbeiten, zahlen Steuern und bauen sich ein Leben auf. Heute fühlen sie sich im eigenen Land fremd. Das sehr persönlicher Essay von Gita Timm über Migration, Integration und ihre unbequeme Ironie hat insbesondere in den Sozialen Medien ein großes kontroverses Echo ausgelöst.
Wenn viele Menschen in unserem Land den herkömmlichen Parteien zum Vorwurf machen, dass sie nicht die Wirklichkeit zu Kenntnis nehmen, dann sollten sie das, was Gita Timm sagt, ernst nehmen und sich den von ihr geschilderten Erlebnissen stellen. Auf vieles, was Gita Timm schildert, werden Bürgermeisterinnen und Bürgermeister vor Ort angesprochen. Deshalb machen wir gerne auf den Diskussionsbeitrag aufmerksam. Zugestandenermaßen, vieles, das sie beschreibt wirkt provozierend und wird von einigen mit Sicherheit auch in die falsche politische Richtung interpretiert werden. Ihre Reaktion auf das, was im Internet stattgefunden hat und noch stattfindet, ist mehr bedrückend aber auch beispielgebend, sie schreibt hierzu:
„Kurze Ansage in eigener Sache.
Ich komme leider nicht mehr hinterher, auf jeden Kommentar zu antworten, auch wenn ich das gerne würde. Ich bin ein echter Mensch mit einem echten Job im echten Leben.
Dieser Text hat sich verselbständigt, und die sozialen Medien haben mir mit voller Wucht ihre schöne Seite, aber auch hässliche Fratze gezeigt. Beides gleichzeitig. Das hat mich überwältigt.
Die Mehrheit der Reaktionen bestätigt, was ich geschrieben habe. Danke dafür, aufrichtig. Aber es gibt auch die anderen. Die mich für rassistisch halten, die sagen das alles sei Blödsinn, die meinen ich sei KI und nicht echt. Ich bin offensichtlich zur Projektionsfläche geworden für alles, was unbequem ist. Ich lasse mich von niemandem instrumentalisieren. Keiner Partei, keiner Gruppe, keiner Weltanschauung. Ich gehöre einer Generation an, in der ein junger liberaler Freigeist und ein konservativer CSUler sich zivilisiert an einen Tisch setzen konnten. Mit Argumenten, ohne Beleidigungen. Wir haben unsere Weltbilder ausgetauscht und sind dabei Menschen geblieben. Das vermisse ich. Das ist auch ein Teil dessen, worum es in diesem Text geht. Ich stehe zu jedem Wort. Ich erkläre mich nicht. Ich entschuldige mich nicht. Den Geist ist aus der Flasche. Mein Leben ruft.
In Dankbarkeit und Ergriffenheit, Gita Timm“
Wenn viele Menschen in unserem Land den herkömmlichen Parteien zum Vorwurf machen, dass sie nicht die Wirklichkeit zu Kenntnis nehmen, dann sollten sie das, was Gita Timm sagt ernst nehmen und sich den von ihr geschilderten Erlebnissen stellen. Auf vieles, was Gita Timm schildert, werden Bürgermeisterinnen und Bürgermeister vor Ort angesprochen. Deshalb haben wir den Beitrag für die neue Depesche übernommen.
